„Was Frauen bauen ... lassen: Bauherrinnen“

14.07.2017

„Was Frauen bauen … lassen: Bauherrinnen“

DAM Ausstellung 2017/2018 „Frau Architekt“ – Begleitprogramm

Anlässlich der Ausstellung “Frau Architekt”, die ab Herbst am Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt gezeigt wird, geben verschiedene Fachgebiete des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt Forschungsmodule heraus, die Frauen und andere Minderheiten in der Architektur sowohl in der Praxis als auch an der Universität in den Fokus nehmen. Studierende sind auch herzlich dazu eingeladen eigene Themenstellungen zu diesem Fokus zu bearbeiten.

FG Kunstgeschichte
Meinrad v. Engelberg

Lange bevor Frauen Architektinnen werden durften, also offiziell diesen Beruf erlernen und ausüben konnten, haben sie sich in die Baugeschichte als Auftraggeberinnen eingeschrieben. Die Vormoderne mit ihren feudalen und ständischen Strukturen eröffnete Möglichkeiten für (wenige, privilegierte) Frauen, als Vorstände weiblicher Kollektive (z.B. Frauenklöster) oder als Herrscherinnen, die ein politisches Amt durch Geburt, Heirat, Witwen- oder Vormundschaft (meist temporär) ausübten, in großem Umfang als Bauherrinnen tätig zu werden und somit Denkmäler ihrer jeweiligen Herrschaftsauffassung oder ihrer privaten Vorlieben zu errichten. Selbst unter den sog. sieben antiken Weltwundern befindet sich mit den „Hängenden Gärten der Semiramis“ in Babylon eine städtebauliche Anlage, dass ausdrücklich mit dem Namen einer Königin verbunden ist.

Es kann und sollte jedoch nicht stillschweigend vorausgesetzt werden, dass die Ausübung einer solchen „Sonderstellung“ in einer mehrheitlich männlich geprägten politischen Sphäre automatisch zu einer „gendertypischen“ Gestaltung führen musste oder sollte. Genauso könnte es das Anliegen der Bauherrinnen gewesen sein, mit ihren ambitionierten Projekten bewusst keine geschlechtsspezifischen Zeichen zu setzen, sondern vielmehr ihre Gleichrangigkeit und Augenhöhe sowie die Allgemeingültigkeit der von ihnen initiierten architektonischen und künstlerischen Projekte zu betonen. Eine weitere Option läge darin, das spezifische der individuellen Situation, also z.B. die familiäre Herkunft, legitimatorische Umstände der Erlangung der Herrschaft oder persönliche Vorlieben in den jeweiligen Bauprojekten abzubilden. Schließlich sollten in manchen Fällen die Charakteristika derjenigen Institutionen, in deren Namen die Herrschaft jeweils ausgeübt wurde, als überzeitliche, überpersönliche und kontinuitätsstiftende Zeichen sichtbar gemacht werden.

Neben den Bauten ist jeweils auch die Bildausstattung (Ikonographie) sowie die Kunstaufträge der Herrscherinnen und Institutionen zur berücksichtigen (z.B. Porträts).