Otto Bartning

Otto Bartning – Programmatiker und Protagonist des Wiederaufbaus nach 1945

DFG-Forschungsprojekt 2009, 2011-2013

Leitung: Dr. phil. Sandra Wagner-Conzelmann

MitarbeiterInnen: cand. arch. Maginur Salimzhanova, cand. arch. Marcel Storck, cand. arch. Anna Freese

Otto Bartning (1883-1959) ist einer der bekanntesten Theoretiker und Praktiker des protestantischen Kirchenbaus und der profanen Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seiner lebenslangen intensiven Auseinandersetzung mit dem Kirchenbau auf geistig-theologischer und auf künstlerischer Ebene schuf er durch seine Bauten, seine Schriften und seine Raumkonzeptionen einen neuen Kirchenbautypus. In seiner ersten Schaffensperiode vor 1914 bereitete er den Weg zu seiner Hochphase in der Zwischenkriegszeit, in der sein expressionistischer Entwurf der Sternkirche (1922), die Stahlkirche (1929) für die Ausstellung „Pressa“ in Köln sowie die Auferstehungskirche (1930) in Essen entstanden, die ihm bis heute einen Platz unter den führenden Kirchenbauern sichern.

Weniger bekannt hingegen sind Bartnings Tätigkeiten als Programmatiker und seine Beiträge zu Debatten der profanen Kunst- und Kulturentwicklung. Denn auch als Ideengeber nahm Bartning Zeit seines Lebens eine zentrale Rolle ein. So hatte er bereits 1919 als Mitglied des Unterrichtsausschusses des Arbeitsrats für Kunst ein Lehrkonzept mitentwickelt, das Walter Gropius später als Grundlage der Lehre im Staatlichen Bauhaus in Weimar einsetzte.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stand Bartning wie kaum eine andere Person im Schnittpunkt der Diskussionen und Geschehnisse. Grund dafür war nicht nur sein praktischer Beitrag zum Wiederaufbau, wie das von ihm entwickelte Montagesystem der Notkirchen und seine profanen Bauten wie Krankenhäuser und Wohnsiedlungen. Nun war es hauptsächlich sein Engagement als Programmatiker und Verbandsfunktionär, das die Fachdebatten maßgeblich beeinflusste.

Inhalt dieses Forschungsprojektes ist es, in einer wissenschaftlichen Aufbereitung von Leben und Wirken Otto Bartnings seine nahezu unerforschte Funktion als Organisator, Ideengeber und Programmatiker in der Wiederaufbauzeit nach 1945 zu untersuchen. In diesem Projekt wird Bartnings Rolle als Protagonist des Wiederaufbaus und sein Beitrag zur kulturellen Identitätsstiftung der jungen Bundesrepublik aufgearbeitet. Dazu wird Bartnings Programmatik extrahiert und schließlich ihre Etablierung in die Gesellschaft durch sein vielschichtiges Engagement – als einflussreicher Verbandsfunktionär im BDA und im Deutschen Werkbund, als Mitentscheider in zahlreichen den Wiederaufbau prägenden Preisgerichten und Kommissionen, als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland in internationalen Verbänden und Gremien, als städtebaulicher Berater Berlins sowie nicht zuletzt als Publizist und Redner in öffentlichen Gesprächen – untersucht.

Die archivalische Grundlage der Forschungen bildet der an der TU Darmstadt aufbewahrte umfangreiche persönliche Nachlass Otto Bartnings. Die hier versammelten Manuskripte, Tagebücher, Notizen, Korrespondenzen, Entwürfe, Fotos, Protokolle von Preisgerichten und Kommissionen werden innerhalb dieses Projekts nicht nur erstmals wissenschaftlich ausgewertet, sie werden zudem auch katalogisiert und in einer Datenbank erfasst. (siehe http://www.kunstgeschichte.architektur.tu-darmstadt.de/ku_ge/projekte_kuge/otto_bartning_archiv.de.jsp)