Leben und Werk Rudolf Hillebrecht

Leben und Werk des Architekten und Stadtplaners Rudolf Hillebrecht (1910-1999)

Im Mittelpunkt des Habilitationsprojekts über das Leben und Werk des Architekten und Stadtplaners Rudolf Hillebrecht steht der Aufbau und die Modernisierung der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Von 1948 bis 1975 prägte Hillebrecht als Stadtbaurat von Hannover das Gesicht der Stadt und schuf mit deren Wiederaufbau ein über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus bekanntes Beispiel einer verkehrsgerechten und modernen Großstadt. Zugleich prägte er durch seine publizistische Tätigkeit in Presse, Funk und Fernsehen sowie durch seine Gutachter- und Gremientätigkeit die städtebaulichen Leitbilder des 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Dabei stieß er in der Fachwelt immer wieder kritische Diskussionen an und leitete neue Entwicklungen im Städtebau ein.

Der in Hannover geborene Hillebrecht studierte von 1928 bis 1933 Architektur an der dortigen TH und engagierte sich in einer progressiven Architektenvereinigung. Während eines Gastsemesters an der TH Charlottenburg 1930/31 lernte er wichtige Vertreter des Neuen Bauens kennen. Seine ersten beruflichen Schritte in der Zeit des Nationalsozialismus unternahm er bei Vertretern des Neuen Bauens, so bei Hans Nitzschke und Adolf Falke in Hannover. In Berlin entwarf er 1934 gemeinsam mit Walter Gropius einen Beitrag zum Wettbewerb „Haus der Arbeit“ der Deutschen Arbeitsfront. Es folgte eine zweijährige Tätigkeit für die Deutsche Luftfahrtindustrie im Rahmen seiner Ausbildung zum Regierungsbauführer. Nach Ausbildungsende trat er 1937 eine Stelle bei dem Hamburger Architekten Konstanty Gutschow an. Noch im selben Jahr wurde er dessen Bürochef. Die Ernennung Gutschows zum „Architekten des Elbufers“ durch Adolf Hitler erweiterte auch Hillebrechts Zuständigkeiten. Nach Kriegsausbruch baute er das „Amt für kriegswichtigen Einsatz“ auf und arbeitete im baulichen Luftschutz.

Städtebauliche Konzepte wie das der „Ortsgruppe als Siedlungszelle“ oder der „Stadtlandschaft“ lernte Hillebrecht im Büro Gutschow durch unmittelbare Anschauung kennen. Nach den verheerenden Bombenangriffen auf Hamburg im Sommer 1943 wurde Gutschow nach Differenzen mit der Gauleitung abgesetzt. Ab November 1943 arbeiteten Hillebrecht und Gutschow in dem von Albert Speer 1943 gegründeten „Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte“. Ende 1944 wurde Hillebrecht schließlich in die Wehrmacht einberufen und geriet 1945 in Gefangenschaft. Zurück in Hamburg hielt er sich durch Arbeiten bei Werner Kallmorgen über Wasser, bis er 1946 in Minden eine Stellung im Zentralamt für Wirtschaft des britischen Zonenbeirats antrat. Nach Differenzen mit der dortigen Leitung wechselte er 1947 in das Hamburger Sekretariat des Zonenbeirats. Im Sommer 1948 wurde er in Hannover zum Nachfolger des kommissarisch tätigen Stadtbaurats Otto Meffert gewählt. Bis zu seiner Pensionierung 1975 leitete Hillebrecht das Stadtbauamt und damit den Aufbau und die städtebauliche Entwicklung der niedersächsischen Landeshauptstadt. Sein vor dem Hintergrund des Strukturwandels Anfang der 1960er Jahre entwickeltes Regionalstadtmodell wurde Vorbild für die Gründung des Großraums Hannover im Jahre 1962.

Umfangreich erhaltenes Quellenmaterial gibt nicht nur Auskunft über den Architekten und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht, sondern bietet über die biographische Betrachtung hinaus tiefe Einblicke in die Geschichte der Architektur und des Städtebaus in Deutschland über drei Epochen deutscher Geschichte hinweg. In der Person Hillebrechts spiegeln sich die städtebaulichen Diskussionen und Paradigmenwechsel in der Bundesrepublik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider.